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Helfende Hände für Nachbarn in Not

Neuwieder Sankt-Matthias-Stiftung gibt Soforthilfe, wo sonst niemand hilft - Versteckte Armut wächst


Kinder, die sich eine saubere Matratze wünschen. Frauen, die sich die Selbstbeteilung für eine Brille nicht leisten können. Alte Menschen, für die Einsamkeit Alltag ist. Nur drei Fälle versteckter Not aus der unmittelbaren Nachbarschaft – drei von vielen. „Schnell, unbürokratisch und überkonfessionell“, so Pfarrer Thomas Darscheid, möchte dort jetzt die Sankt-Matthias-Stiftung Neuwied helfen.

Mitte Dezember nimmt die Stiftung – eine der ersten gemeinnützigen kirchlichen Stiftungen im Bistum Trier – die Arbeit auf. Im Mittelpunkt der Hilfe stehen Menschen in Neuwied und der näheren Umgebung, die unverschuldet in eine Notsituation geraten sind. Pfarrer Darscheid, der den Stiftungsvorsitz übernommen hat: „Nahezu täglich erreichen uns Schicksale, die durch die Maschen institutioneller Hilfe fallen. Für uns gilt als caritatives Leitprinzip: Helfen, wo sonst niemand hilft.“

Oft geht es sogar nur um kleinere Beträge - wie im Beispiel einer jungen Familie aus Neuwied, die für ihre achtjährige Tochter eine neue Schlafunterlage benötigt. Darscheid: „Leistungen nach Hartz IV fallen aus. Das Kind nächtigt unter erbärmlichen hygienischen Verhältnissen, weil der finanzielle Spielraum der Familie keine 70 Euro für die Anschaffung einer Matratze hergibt.“ Auch die Geschichte eines traumatisierten Folteropfers ist kein Einzelfall: „Die junge Frau benötigt dringend eine neue Brille, aber sie hat keinen Anspruch auf staatliche Beihilfe – und das Geld reicht gerade zum Leben am Rande des Minimums.“ Auch unter vielen alleinlebenden Senioren ist die versteckte Armut häufig nicht sichtbar - und dennoch weit verbreitet: „Kein Sozialfonds finanziert die Hauszustellung von schweren Lebensmitteln oder fährt mit einem alten Menschen, der sich kein Auto leisten kann, zum Einkaufen.“

Die Idee der Stiftung entstand in der Pfarrei St. Matthias. „Wir sehen darin eine Ergänzung des sozial staatlichen Systems aus christlicher Verantwortung“, so das Vorstandsmitglied Kai Uwe Ritter. Mit der „rechtsfähigen öffentlichen kirchlichen Stiftung“ wolle man keinesfalls Konkurrenz zu staatlichen Institutionen sein, sondern die steigende Bereitschaft zu bürgerschaftlichem Engagement im Bereich der direkten Nachbarschaftshilfe ausbauen und fördern. Ritter, der gleichzeitig im Beirat der Stiftung tätig ist, betont: „Es gibt viele Menschen, die spenden möchten. Aber sie wollen konkret wissen, wohin ihr Geld geht.“ Kleine Einzelspenden, Dauerspenden bis hin zu Übertragungen aus Erbschaftsvermögen sollen dauerhaft die Grundlage für die Finanzierung der regionalen Stiftung legen.

Oberbürgermeister Nikolas Roth begrüßte das überkonfessionelle Engagement der Sankt-Matthias-Stiftung: „ Wir haben ein funktionierendes soziales Netz. Dennoch kann der Staat oder die Kommune nie jedes individuelle Schicksal abdecken. Deshalb ist diese direkte Nachbarschaftshilfe so unterstützenswert.“ Zu den Förderern des Projektes gehört auch die Neuwieder Fürstenfamilie. Für Carl Fürst zu Wied ist es mehr als „Tradition des Hauses“ über alle Glaubens-Grenzen hinweg Menschen in Not zu helfen. Fürst zu Wied erinnert: „Aus den Prinzipien Religionsfreiheit, Toleranz und Gleichheit ist diese Stadt entstanden.“ Dem Beirat der Sankt-Matthias-Stiftung Neuwied gehören neben dem Oberbürgermeister und dem Fürsten Vertreter des Caritas-Verbandes, der Casino-Gesellschaft und der evangelischen Marktkirche an. Pfarrer Darscheid: „Ich freue mich, dass wir hier in Neuwied gemeinsam mit dem protestantischen Kollegen Zupp Ökumene praktisch leben.“ Gemeinsam forderten die beiden Geistlichen auch auf, der Sankt-Matthias-Stiftung Neuwied Notfälle aus der unmittelbaren Nachbarschaft zu melden: „Viele Bedürftige offenbaren sich nicht.“ Jeder Fall werde geprüft – und bei einer Notlage schnell über Hilfe entschieden.

Infos: Sankt-Matthias-Stiftung Neuwied, www.sankt-matthias-stiftung.de, stiftung@st-matthias-neuwied.de Telefon: 02631/25964, Spendenkonto: Sparkasse Neuwied, Konto 130 369 523, BLZ 574 501 20.